Wohin treibt das Narrenschiff?

23. Januar 2012

2012-Bodenseeschiff.de

Wohin treibt das Narrenschiff? – Radio Eriwan und die Fasnacht

Wir Frühgeborenen können uns ja dunkel an die Zeit erinnern, als die jetzigen neuen Bundesländer sich noch hinter einem eisernen Vorhang versteckten. Da gab es die schönen „Radio Eriwan“-Witze. Radio Eriwan war der fiktive Sender aus der sowjetrussischen Republik Armenien, von dem die drängenden Fragen der sozialistischen Weltbevölkerung beantwortet wurden. Ein Beispiel:

Frage: Hätte die Katastrophe von Tschernobyl vermieden werden können?
Radio Eriwan: Im Prinzip ja, wenn nur die Schweden nicht alles ausgeplaudert hätten.

Na ja, dann kam Gorbi, und der Kapitalismus hat Russland zu einem prächtigen Land mit vielen Milliardären gemacht. Ein Grund also für Radio Eriwan, das Weite zu suchen und vom Hörfunk zum Printmedium zu wechseln. Ins sozialistische Ulm.

Frage: Warum kamen am gestrigen Sonntag, 22.1.2012, nur 30.000 anstatt der erwarteten 80.000 Zuschauer zum Umzug des großen Narrentreffens nach Konstanz?
Südwestpresse: Weil es beständig geregnet hat!

Wir fügen noch das Originalzitat aus der Online-Ausgabe von heute, Montag, 23.1.2012, hinzu:
„Doch die Narren hatten Pech mit dem Wetter. 80 000 Besucher entlang der Strecke hatten sie erwartet, doch durch den ständigen Regen kamen letztlich nur 30 000 Menschen.“ (Zum Online-Artikel)

Mehr als verständlich. Wir Narren kennen das: das Häs löst sich auf, die Klarinetten gehen kaputt und es macht natürlich überhaupt keinen Spaß, von oben nass zu werden.

So weit so gut. Allein: es hat gar nicht geregnet am Sonntag. Es hat sogar die Sonne geschienen. Zugegeben: es hat ordentlich geluftet, aber das ist ja am Meer keine Seltenheit. Auch nicht am Schwäbischen Meer.

Ok. Der Regen kann es, mangels Masse, nicht gewesen sein. Wieso aber sind dann die 50.000 daheim geblieben? Ist doch klar: weil sie eifrig die Ausgabe der Südwestpresse vom Samstag, 21.1.2012, gelesen haben.

Und was stand da zu lesen? Da hat des Landes oberster Narr (nein, nicht Tankstellenbesitzer Christian W.), der Wehrle-Roland nämlich, mal wieder ordentlich über die Narrentreffen abgelästert. Narrentreffen seien, so Narren-Oberhaupt Wehrle „zu einem ritualisierten flächendeckenden Überangebot mutiert“. Dabei sei „das Wesentliche der Fastnacht […] die Pflege und der Erhalt der örtlichen Fastnachtsbräuche vor der eigenen Kulisse, mit der eigenen Bevölkerung und der eigenen Musik“ (Zum Online-Artikel)

Und was haben da die 50.000 gemacht: sie sind treu und brav daheim geblieben und haben mit Freunden und Nachbarn die alten Bräuche gepflegt. Hat ja auch was für sich, auf dem Kanapee zu liegen, anstatt sechseinhalb Stunden am Konstanzer Münster zu stehen.

Es lebe der real existierende Narrensozialismus!

Anum praeter, unum esse, uns isch gleich!

Knappe Jaujau ze Boll am Walde


2 Kommentare

  1. s´Mäidle vo de Hom
    Dienstag, 24. Januar 2012 20:29
    1

    Wie wahr! On´ Knappe fast des zämmä un hält d´m Präsi dä Spiegl vor … ma sott´s zm´ WehrleRoland no irgendwiä mitteilä … s´Mäidle vo de Hom

  2. 2

    Meidle,

    d’r Roland ist selbschtverständlich impformiert. Allerdings muaß des mit „ritualisierten flächendeckenden Überangebot“ noch genauer untersuacht wäara
    knappe jaujau

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