Intangible Cultural Heritage: Es geht um die (Schwarz-)Wurst

14. November 2013

2014-IntangibleCultur-1Was haben der polyphone Gesang der Aka-Pygmäen in Zentralafrika, der Gule Wamkule in Malawi, Sambia und Mosambique und der Gong-Kulturraum in Vietnam gemeinsam und unterscheidet sie gleichzeitig von der guten (ur)alten Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht? Richtig: sie sind in die Lists of Intangible Cultural Heritage aufgenommen, basierend auf dem von der UNESCO 2003 verabschiedeten Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Gongt da was? Die alle und noch gaaaaaaaanz viele andere sind dabei, und die Fasnet geht leer aus? Aber nur mit der Ruhe. Die Pygmäen können dafür gar nichts. Deutschland ist nämlich erst jüngst dem Übereinkommen beigetreten.
Und jetzt geht das Hauen und Stechen los. Da gibt es so eine Art Bewerbungsverfahren, weil sich natürlich nicht jeder Schalmeienverein aus Hinteroberhui bewerben kann. Das läuft alles schön geordnet. Und da hat der Wehrle-Roland, wie es sich gehört als oberster Fasnets-Lobbyist, das Rechte getan:
„Wir haben zunächst einen Antrag auf ein nationales immaterielles Kulturerbe gestellt“, sagte der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Sollte die Bewerbung erfolgreich sein, hoffe der Verband, auf die deutsche Vorschlagsliste für das ideelle Weltkulturerbe zu kommen, die an die Unesco weitergereicht werde. (Stuttgarter Zeitung online vom 27.10.2013).
2014-WehrleLogo-2Roland: Wir sind dabei! Denn die Aka-Pygmäen sind uns ebenfalls polyphonen Lumpenmusikern durchaus sympathisch. Und auch der Gong-Kulturraum in Vietnam: das sind dort die Musikvereine. Jeder bringt seinen Gong mit und dann gib ihm … Aber am allerbesten ist der Gule Wankule. Das ist ein Geheimkult der Männer in der matrilinearen Gesellschaft der Chewa. Sprich: weil die Männer daheim und auch sonst nichts zu sagen haben, treffen sie sich insgeheim, setzen Masken auf, tanzen und saufen wahrscheinlich auch wie die Bürstenbinder. Wo soll da bitteschön der Unterschied zur Fasnet sein? Aber wir wollen natürlich schon auch ein paar matrilineare Närrinnen. Und Schwarzwurst. Und darum drücken wir ab Dreikönig so richtig auf die Fasnetstube. Damit der Roland und wir alle sauber dasteh’n. Matrilinear und mit Schwarzwurst. Eins noch, lieber Roland: was ist das eigentlich für ein Schwanz an Deinem Hut? Matrilinearer Kuhfuchs?

Anum praeter, unum esse, uns isch gleich!

Knappe Jaujau ze Boll am Walde

 

Überraschung

 

Natürlich will der geneigte Leser nicht nur wissen, was die Großkopfeten so meinen. Darum hat der Schwarzwurst-Orden den kleinen Narr auf der Straße gefragt: was haltet Ihr vom immatriellen Kulturerbe?

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Der Kulturelle Beirat des Schwarzwurst-Ordens verschließt sich dem immatriellen Kulturerbe nicht, stellt aber eine materielle Bedingung: „Das Glas muss voll sein!“

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„Ons als Vertreterinna d’r Aktionsgruppe ‚Narrete Weiber en der VSAN‘ isch des eigentlich vellig Wurscht, mit dem bleda Weltkulturerbe. Hauptsach‘ em Quartier geit’s a Badwann‘.“

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„Also mir vom Schlichemtaal – also bei ons en d’r Musik do isch-es halt so – also, dia Trompeta ond d‘ Fligelherner ond d‘ Tenorherner – also, dia spielat em Violinschlissel in B. Mit ihrna B-Instroment. Aber mir em Tiefblech – also mir spielat em Bassschlissel in C. Also klengend. Ond au‘ uff B-Instrument. Jetzt stellt sich ons halt d’Froog – also, wenn mir do no uff so-ma immatieriella Narratreffa mit däana polüphona Aka-Pügmäa z’ammaspielat – also, ob des iberhaupt fonktoniert?“

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TGC (The Grand Champion) aus Boll am Walde und Karle „Man-sollte-nicht-glabuben-dass-ich-das-noch-gewinne“ Schlossberger von den Pinball-Glonkis stehen voll hinter Roland Wehrle: „Spätestens für 2015 gilt dann: Ein Flipper in jede Beiz!“

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